Ausstellung von Laurie Bischoff in Stampa 2026: eine Entwicklung
Die Genfer Kunsthistorikerin Laurie Bischoff wird im Sommer 2026 bekanntlich in Stampa eine dokumentarische Ausstellung zeigen, die sich mit Alberto Giacometti und der Entstehung seines Vermächtnisses im Jahr 1966 beschäftigt.
Ein Kapitel ihrer Ausstellung widmet sich den Ereignissen im März 1966 in Dänemark: In Holstebro wurde die Skulptur Frau auf dem Wagen auf einem öffentlichen Platz der Stadt enthüllt.
Ursprünglich stand die Stadtbevölkerung dem Projekt eher skeptisch gegenüber. Bald darauf stellte sich jedoch Euphorie ein: Frau auf dem Wagen wurde rasch zum Symbol einer erfolgreichen, avantgardistischen Kulturpolitik. Im Oktober 2009 wurde unter dem Werk sogar ein Aufzug installiert, um es nachts zu schützen.
Im lokalen Dialekt «Maren o æ woun» («Maren auf einem Wagen») genannt, wird die Skulptur seither jeden Morgen um 10 Uhr zum Klang einer eigens für sie komponierten «Maren-Hymne» emporgehoben und um 21 Uhr wieder in ihren unterirdischen Schutzraum abgesenkt.
Diese Bewegungen werden von Ritualen begleitet, die von den «Kulturwächtern» und den «Rittern von Maren» organisiert werden und das Werk noch aussergewöhnlicher machen. Zudem wurde ein «Freundeskreis von Maren» gegründet, der zahlreiche Veranstaltungen rund um das Werk organisiert, insbesondere die Feier ihres Geburtstags am 10. März – in Erinnerung an ihre Einweihung im Jahr 1966.
Kürzlich haben die Freunde von Maren auf ihrer Internetseite einen Beitrag veröffentlicht, nachdem in Holstebro das – falsche – Gerücht aufgekommen war, dass auch die Skulptur selbst für die Ausstellung nach Stampa reisen würde. Hier der aus dem Dänischen übersetzte Text:
Marens Freunde und Marens Freundeskreis haben über Kontakte in der Schweiz erreicht, dass die Skulptur „Frau auf dem Wagen“ aus Holstebro mit Bildern auf Ausstellungstafeln im Centro Giacometti, Strada Cantonale 119, 7605 Stampa, Schweiz, vom 6. Juni bis zum 11. Oktober 2026 präsentiert wird.
Die Skulptur Maren bleibt selbstverständlich weiterhin in Holstebro und wird in diesem Zeitraum nicht in die Schweiz gebracht.
Sie ist in der Ausstellung auf Fotografien zusammen mit ihren treuen Kulturwächtern aus Holstebro zu sehen. Die Kulturwächter laden im Juli und August an Werktagen von 19:30 bis 21:00 Uhr zu Abendspaziergängen ein, bei denen Maren vor dem Alten Rathaus in der Nørregade in den Schlaf gesungen wird.
Das Centro Giacometti gratuliert der Stadt Holstebro und den Freunden von «Maren» zu ihrer äusserst geschätzten kulturellen Initiative sowie zur Würdigung Alberto Giacomettis in Dänemark.
Wir werden in diesem Sommer einmal nach Holstebro reisen, um Maren zu grüssen und uns das Gutenachtlied anzuhören. Auf Wiedersehen, Freunde von Maren!
Marco Giacometti, Präsident der Amici del Centro Giacometti