Genau sechzig Jahre nach dem Tod des Künstlers aus dem Bergell zog eine italienischsprachige Erstvorführung zahlreiche Zuschauer an. Charles de Lartigue, Regisseur von „Meister des Blickes“, war der Erste, der von der Giacometti-Stiftung in Paris die Genehmigung erhielt, Filmmaterial über das Werk Alberto Giacomettis zu verwenden. Nach dem Tod von Annette im Jahr 1993 war dies über Jahre hinweg nicht möglich gewesen.
Der Film, dem ein kurzer Ausschnitt aus der App „Giacometti Art Walk“ vorangestellt wurde, zeigt den Künstler dabei, wie er seinen kreativen Prozess erläutert. Die Erzählerstimme des Dokumentarfilms erklärt oder interpretiert nicht, sondern begleitet das Publikum auf dieser Reise durch Forschung und Visionen. Es bleibt dem Betrachter überlassen, mit seinen eigenen künstlerischen Kenntnissen und seiner eigenen Emotionalität zu beobachten und zu versuchen zu erfassen, was Giacometti beabsichtigte und was die zermürbenden Sitzungen überdauert hat. Daraus entsteht eine sehr persönliche Wahrnehmung der Realität – als würde der Künstler im Wirklichen nach dem Wunderbaren suchen, das sich darin verbirgt. Frustration oder Unzufriedenheit sind dabei jedoch nicht zu spüren, ganz im Gegenteil. Für den Bildhauer und Maler wäre es unmöglich gewesen, anders zu leben, als er es tat. Er ist ganz vom Bemühen erfüllt, die Schönheit, die er wahrnimmt, in seiner Kunst zum Ausdruck zu bringen.
Er durchschreitet Epochen, Schulen und Stilrichtungen und bleibt dabei stets seiner Freiheit treu, ohne sich jemals wirklich einer Bewegung zugehörig zu fühlen – nicht einmal dem Surrealismus, der in ihm seinen idealen Vertreter sah.
Ein sehr sehenswerter Dokumentarfilm: Er lässt dem Betrachter Raum, bietet Einblicke in die verschiedenen Schaffensphasen des aus dem Bergell stammenden, von Paris adoptierten Künstlers und in seine Beziehung zu den Menschen, die ihm nahe standen.
Donatella Rivoir

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