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Geschichte des Bergells

Mit dem 2011 erschienenen zweisprachigen Band des Historikers Jürg Rageth, Kleine Ur- und Frühgeschichte des Bergells, hat das Centro Giacometti seine Reihe von Publikationen zur Künstlerfamilie Giacometti und zu ihrem geografischen, historischen, sozialen und künstlerischen Umfeld begründet. Diese Forschungs- und Vermittlungsarbeit wurde über die Jahre kontinuierlich weitergeführt und soll nun in eine neue Seite zur Geschichte des Bergells einfliessen, welche die wichtigsten Etappen der Talgeschichte zusammenfasst und in ihren historischen Zusammenhang einordnet.

Unter dem Namen Castelmur möchte das Centro Giacometti einen chronologisch aufgebauten und historisch kontextualisierten Katalog erarbeiten. Darin sollen die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen der Geschichte des Bergells sichtbar werden – im Zusammenhang mit den lokalen Geschehnissen, den Entwicklungen im grenzüberschreitenden Raum zwischen Lombardei und Graubünden sowie den grossen europäischen Ereignissen und historischen Zusammenhängen. Das Projekt richtet sich an alle, die sich einen aktuellen und gut zugänglichen Überblick über die Geschichte des Tals verschaffen möchten. Gleichzeitig soll es auch für die Schulen des Bergells von besonderem Interesse und Nutzen sein.

Das in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich entwickelte Projekt befindet sich derzeit in Vorbereitung. Es stützt sich auf Daten, Dokumente und Informationen, die über einen Zeitraum von rund fünfzehn Jahren gesammelt, ausgewertet und vertieft wurden.

Stampa, September 2026, Marco Giacometti

 

Von Castelmur ist ein Bündner Adelsgeschlecht aus dem Bergell, dessen Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. 1190 wird Albertus de Castello Muro als Lehensinhaber der Feste Castelmur erwähnt. Als bischöfliche Ministerialen besassen die von Castelmur zahlreiche Lehen im Bergell und stellten über Jahrhunderte Notare, Podestaten und Politiker des Tals. Im 14. und 15. Jahrhundert stiegen sie zu einem führenden Geschlecht des Gotteshausbundes auf. Im 16. Jahrhundert schwand ihre politische Bedeutung im Bergell; einzelne Linien wanderten aus und liessen sich unter anderem in Wien, Marseille, Stampa und Tumegl/Tomils nieder. Maria (1804-1882), die Grossmutter des Malers Giovanni Giacometti väterlicherseits, war eine Tochter des nach Caen in der Normandie ausgewanderten Alberto Castelmur (1756-1826).

Castelmur ist der Ortsname eines Baudenkmals auf dem Felsriegel oberhalb von Promontogno im Bergell. Es handelt sich um eine Burgruine mit verschiedenen Wehrbauten aus dem Hoch- und Spätmittelalter, die eine grosse Tal- und Strassensperre mit alter Talkirche bildete. Dazu gehörte auch die römische Strassenstation Murus.

Zur Internetseite des von Giovanni de Castelmur (1800-1871) ab 1840 erbauten Palazzo Castelmur in Coltura: www.palazzo-castelmur.ch