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Dirupata poesia: Alda Merini im Centro Giacometti

Am Samstag, 26. September 2026, war der Salone des Centro Giacometti in Stampa Schauplatz von «Dirupata poesia», einer immersiven Theater- und Musikperformance über das Leben und Werk der berühmten Mailänder Dichterin Alda Merini. Im Mittelpunkt des Abends standen Gigliola Amonini, Schauspielerin und Regisseurin, die seit über zwanzig Jahren Theater-, Kreativ- und Bildungsprojekte realisiert, sowie Consuelo Orsingher, Sängerin, Songwriterin und Vocal Coach, die auf zahlreichen italienischen Bühnen aufgetreten ist und auch in Fernsehproduktionen und Musikprojekten mitgewirkt hat.

Mit einem eindringlichen Zusammenspiel von Stimme, Gesang, Sprache und Musik schufen die beiden Künstlerinnen eine Aufführung, die aufwühlte, bewegte und das Publikum unmittelbar berührte. Dabei traten der weibliche Widerstandsgeist, die Lebensfreude und die Fähigkeit hervor, Schmerz und Enge in Kraft und Selbstbehauptung zu verwandeln.

Im Zentrum stand die dichterische Welt Alda Merinis: ein Leben, das von Leid und der Erfahrung psychischer Krankheit geprägt war, zugleich aber von der unermüdlichen Suche nach Rettung und Erlösung durch die Poesie. Für die Dichterin schienen das Schreiben und das unstillbare Bedürfnis nach Poesie eine Antwort auf den Wahnsinn und einen Raum innerer Freiheit zu eröffnen.

Gigliola Amonini und Consuelo Orsingher interpretierten ihre Verse mit grosser Intensität und Ausdruckskraft. Mit ihrer eigenen Sensibilität und künstlerischen Präsenz verliehen sie Worten Gestalt, die auch heute, Jahrzehnte später, mit erstaunlicher Kraft zu uns sprechen – vielleicht dringlicher denn je.

Und dann erklingen die Schreie, der Ruf nach Zeta, der Zimmergenossin aus der psychiatrischen Anstalt. Dieser Ruf wird zugleich zum Appell an uns alle, die wir in dieser «verrückten Welt» leben. Es sind Schreie, die nicht nur gehört werden wollen. Sie fordern uns auf, innezuhalten, uns mit der menschlichen Verletzlichkeit auseinanderzusetzen und nach einem anderen Weg zu suchen.

Einen solchen Weg suchte und wies Alda Merini in der Schönheit der Poesie: als einer Kraft, die dem Leiden eine Stimme gibt, neue Horizonte eröffnet und uns vielleicht ein Stück Menschlichkeit zurückzugeben vermag.

© Fotos: Gigliola Amonini und Consuelo Orsingher